In der unseren, der modernen westlichen Welt, verstehen wir die Zeit als eine lineare Abfolge von Ereignissen. Ein Anfang führt zu einem Ende und das Jetzt ist die Vorstufe zum Morgen - ergo flüchtig.

Abseits der globalen und uniformen Definition der Zeit und losgelöst von der  Skalierung in künstliche Einheiten (Jahre, Monate, Tage, Stunden, Sekunden und deren Bruchteilen) manifestiert sich das Leben und das Menschsein als zyklisch. Der Mond kennt keinen Monat mit 30 oder 31 Tagen, auch nicht der Fruchtbarkeits-Zyklus der Frau.

Der Kreis als Ausdruck der Unendlichkeit und der Wiederkehr steht diesem (westlichen) Zeitverständnis entgegen. Menschen sind Teil des immerwährenden  Zyklus der Geburt, des Schaffens und des Todes. Nach unserer Generation folgt die nächste und auch diese ist endlich.

Die Menschen im Reisland Thailands leben mit dem wiederkehrenden Zyklus der Natur: die heisse Zeit (Sommer), die Regenzeit (Monsum) und die Zeit der angenehmen  Temperaturen (Yensabai). Die Büffel grasen in der Zeit der kühlen Winde und des Sommers und mit der Regenzeit bestimmt die Saat und Ernte des Reis das Leben der Menschen. Die Büffel bekommen dann das Reisstroh des vergangenen Jahres zu fressen und werden von den Feldern verbannt.

Die Zeit der wilden Orchideen, der quakenden Frösche und im Winde wogenden Reishalmen (das grüne Meer) erwacht mit dem aus Osten einsetzenden Gewitterregen. Das thailändische Jahr beginnt und endet mit dem Songkran-Fest, an dem man alle und jeden ungeachtet der Herkunft und Standes mit Wasser besprengt und sich dann ein fröhliches "sawadee bimai" zuruft (happy new year).

Der heisse Sommer ist vorbei und damit die Zeit des Müssigganges wo man ausser die Büffel zu hüten, als Bauer kaum mehr Pflichten hat. Es folgt die Zeit des Pflügens, der Aussaat, die Zeit des Hegens und Pflegens der zarten Reishalme bis hin zur Ernte.

Der Kreis schliesst sich und die Büffel finden wieder fette Weidegründe bis dann der heisse Sommer das Land austrocknet und das Gras nur noch spärlich wächst. In dieser Zeit gibt es keine Grenzen. Jeder lässt die Büffel da grasen, wo die Tiere sich hinbewegen. Am Abend kehren die Bauern mit dem Vieh heim und versammeln sich im Kreis der Familie, der Freunde und  Nachbarn.

Das Tagewerk beginnt mit den ersten Strahlen der Sonne und bei deren Versinken hinter dem weiten Horizont wird gekocht, gegessen, gesungen und der Schlaf kommt schon bald. Sich eingebettet zu wissen in diesen ewigen Kreislauf der Natur hat etwas tröstendes und vermittelt Geborgenheit.

Mit meinen kurzen Filmen versuche ich etwas von dieser zyklischen Freiheit darzustellen. Ich versuche die Stille - die innere Ruhe - die Gelassenheit für einen Augenblick festzuhalten um den Kreis als Symbol für die wiederkehrende Zeit in Erinnerung zu rufen, damit wir auf unserem linearen "Fort-Schritt" nicht das Wesentliche verlernen: zu leben.

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